INRO - Initiative Nachhaltige Rohstoffbereitstellung für die stoffliche Biomassenutzung

Laufzeit: 1. Oktober 2011 bis 30. November 2014

INRO ist das von Michaele Hustedt ins Leben gerufene Netzwerk für eine freiwillige Nachhaltigkeitszertifizierung der stofflichen Biomassenutzung durch die Industrie.

Für Strom aus flüssiger Biomasse und Biokraftstoffe ist eine Nachhaltigkeitszertifizierung in Deutschland bereits seit 2011 gesetzlich vorgeschrieben. Doch parallel zur Energiewende ist auch die Rohstoffwende erklärtes Ziel der Politik. Die deutsche Industrie verarbeitet schon heute jährlich fast 3 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Biomasse zu Produkten, weltweit wird ein Vielfaches dieser Menge umgesetzt, Tendenz steigend.

Es drängt sich deshalb die Frage auf, wie eine Nachhaltigkeitszertifizierung im stofflichen Sektor aussehen könnte.

Die „Initiative Nachhaltige Rohstoffbereitstellung für die stoffliche Biomassenutzung“ INRO setzte hier an. 2011 wurde sie mit dem Ziel gegründet, mit Industrieunternehmen eine Vereinbarung zur freiwilligen Zertifizierung nachwachsender Rohstoffe vom Anbau bis zur Erstverarbeitung zu treffen. Eine entsprechende gesetzliche Regelung ist bisher weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene geplant.

Das Netzwerk umfasste 37 Teilnehmer. Vertreten sind Unternehmen aus den Branchen Chemie, Automobil, Verpackung, Konsumgüter, Werkstoffe, Hydraulik- und Schmieröle, Lacke/Farben ebenso wie Wirtschaftsverbände und -vereine (darunter auch wir, die IBB Netzwerk GmbH), deutsche Ministerien und nachgeordnete Behörden, Wissenschaftler, Umwelt- und Entwicklungsverbände sowie deutsche Zertifizierungssysteme.

Es wurde ein Katalog an Nachhaltigkeitsmerkmalen erstellt, auf den sich alle Teilnehmer verständigen konnten. Er bezieht sich auf sämtliche industriell genutzten Agrarrohstoffe, neben Pflanzenölen auch auf Zucker, Stärke, Fette und Fasern. Es wurden sowohl Kriterien festgelegt für den Umweltschutz (wie z. B. Schutz von Wäldern, Feuchtgebieten, Torfmooren und Standards für eine umweltschonende landwirtschaftliche Praxis) aber auch soziale Kriterien (wie z. B. keine Kinder- und Zwangsarbeit, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Einhaltung von Rechten indigener Völker...) sowie auch ökonomische Kriterien (wie z. B. Maßnahmen gegen Korruption, Transparenz...)

Für die Glaubwürdigkeit der Zertifizierung ist es von zentraler Bedeutung, dass diese nicht beliebig erfolgt. Das professionelle Niveau der weltweit agierenden Zertifizierungssysteme ist allerdings sehr unterschiedlich. INRO hat deshalb „Kriterien für ein gutes Zertifizierungssystem“ entwickelt, um den Unternehmen Anhaltspunkte bei der Auswahl zu vermitteln und zugleich den Anbietern Anregungen zur Weiterentwicklung ihrer Systeme zu geben. Die Erarbeitung eines eigenen neuen Zertifizierungssystems für den stofflichen Bereich war hingegen kein Bestandteil von INRO. Denn bei der Produktion von Agrarrohstoffen wird meist nicht unterschieden, wofür diese später genutzt werden, zudem ist der Aufbau von Zertifizierungssystemen komplex und arbeitsintensiv und eine Doppel- und Mehrfachzertifizierung wäre eine Zumutung für Landwirte, Ersterfasser, Händler und andere Marktteilnehmer. Deshalb wurden bei INRO bestehende Systeme auf die stoffliche Biomassenutzung angepasst.

Die INRO-Initiative flankiert den auf deutscher und europäischer Ebene beschlossenen Aufbau einer Bioökonomie. Nicht nur Deutschland, auch die europäische Kommission hat Anfang 2012 eine Bioökonomie-Strategie und einen dazu gehörigen Aktionsplan vorgestellt. Von den Mitgliedsstaaten sind neben Deutschland die Niederlande, Norwegen und Dänemark besonders weit voran geschritten bei der nationalen Umsetzung.

Michaele Hustedt vom Berliner Politikberatungsbüro CPC moderierte INRO, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) stellte über seinen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), Fördermittel zur Verfügung. Informationen zum Projekt finden sich auf www.fnr.de im Menü Projekte & Förderung unter dem Förderkennzeichen 22018411.

Weitere Informationen zu INRO finden Sie auf der offiziellen Webseite: www.inro-biomasse.de.