Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Beauftragt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Studie über das Potenzial der Industriellen/Weißen Biotechnologie durchzuführen, legte das Fraunhofer ISI im März 2007 seiner Publikation folgende Definition der Industriellen/Weißen Biotechnologie zu Grunde:

„Die industrielle, weiße Biotechnologie umfasst die Nutzung biotechnologischer Verfahren in der industriellen Produktion. Bei der industriellen, weißen Biotechnologie werden Biokomponenten zum Auf-, Um- oder Abbau von Substanzen in technischen Prozessen eingesetzt, die in entsprechenden industriellen Anlagen ablaufen. Dabei kommen Mikroorganismen (inkl. Hefen und Pilze), Zellkulturen höherer Organismen (auch pflanzlichen), sowie subzelluläre Komponenten, z. B. Enzyme zum Einsatz. Pflanzenproduktionssysteme („auf dem Acker“) zur Herstellung von Erzeugnissen zu industriellen Zwecken werden berücksichtigt. Ausgeschlossen sind Prozesse „auf dem Acker“ für Erzeugnisse des Nahrungsmittelbereichs, End-of-pipe-Behandlungsverfahren (Biofilter zur Geruchsentfernung, biologische Abwasserreinigung, biologische Abfallbehandlung, Bioremediation) und Bioleaching.“

„Relevante Produktgruppen sind u. a. Bulk-, Fein- und Spezialchemikalien, Werkstoffe und Polymere, Lebensmittel, Getränke und Lebensmittelzusatzstoffe, Futtermitteladditive, Agrarvorprodukte (z. B. Pestizidvorstufen), Pharmavorprodukte (z. B. chirale Vorstufen), Hilfsstoffe für verarbeitende Industrien (z. B. zur Entfettung), Bioanalytik, technische Enzyme und Bio-Energieträger wie Ethanol, Wasserstoff und Biogas sowie Nachwachsende Rohstoffe für die stoffliche und energetische Nutzung (nur sofern es sich um Kuppelprodukte handelt). Ausgeschlossen sind Pharmazeutika; Nachwachsende Rohstoffe für energetische Nutzung (falls keine Kuppelprodukte), Kompost und „Biobasierte Produkte“ (z. B. Polymere auf Biomassebasis bzw. biologisch abbaubar“, sofern ihre Verarbeitung/Herstellung keine Bioprozesse beinhaltet).“

„Einbezogen sind Wirtschaftszweige, die die oben aufgeführten Bioprozesse selbst in ihren Produktionsprozessen einsetzen. Dabei können sie die relevante Biokomponente selbst entwickeln oder zukaufen, ihr Produkt kann sowohl Zwischen- als auch Endprodukt sein. Dies trifft insbesondere auf folgende Sektoren zu: Chemie, Pharma, Papier/Zellstoff, Textil, Leder, Lebensmittel und Getränke, Metallverarbeitung, Elektronik, Energie (Bioethanol-, Biogas-, Bio-H2-Herstellung). Außerdem sind Dienstleister für diese Sektoren einbezogen (FuE, Beratung, Finanzierung) sowie Zulieferer und Ausrüster (u. a. Anlagenbau und Messen, Steuern, Regeln (MSR)).“


Quellennachweis:

Nusser, Michael; Hüsing, Bärbel; Wydra, Sven: Potenzialanalyse der industriellen, weißen Biotechnologie. Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung. Karlsruhe 2007, S. 3.