Schon seit mehreren Jahrzehnten halten biotechnologische Verfahren zunehmend Einzug in industrielle Prozesse. Die Biotechnologie gibt sich dabei für viele Wirtschaftszweige als Innovationsmotor zu erkennen, welche Verfahren kostengünstiger und/oder nachhaltiger gestalten kann und die Möglichkeit für völlig neue Produkte eröffnet. Dies gilt nicht nur für die Chemische Industrie, sondern auch für viele weitere Branchen, wie z. B. die Lebens- und Futtermittelindustrie, Textilhersteller, in zunehmenden Maße auch die Automobil- und Luftfahrtindustrie, Sport- und Freizeitindustrie, Farben- und Kunststoffhersteller usw. Den möglichen Einsatzgebieten biotechnologischer Methoden sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Vorteile biotechnologischer Methoden – die „Green Economy“

  • geringere Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen (variable/instabile Faktoren fossiler Rohstoffe sind: Menge, Preis, politische Situationen)
  • komplexere Produkte und reine Enantiomere, z. B. reine links- bzw. reine rechtsdrehende Milchsäure, um damit Polymere mit erwünschten Eigenschaften herzustellen (Beispiel im Kurzbericht Bio-raffiniert VI)
  • dadurch keine bzw. geringere Verunreinigungen des Endprodukts und keine bzw. weniger aufwändige Trennungsverfahren
  • kürzere Transportwege, Unabhängigkeit von Raffinerie-Standorten
  • umweltschonende Produktionsverfahren (niedriger Druck, niedrige Temperatur, wässriges Milieu), Sicherheit von Anlagen
  • geringerer Energieverbrauch
  • in der Regel bioabbaubare Produkte, weniger Nebenprodukte und weniger Abfallstoffe (produktionsintegrierter Umweltschutz), Entsorgungsvorteil
  • hohe gesellschaftliche Akzeptanz
  • nachhaltige CO2-Wirtschaft

Wirtschaftliche, ökologische und politische Faktoren stellen die Unternehmen gleichermaßen vor immer größere Herausforderungen, wodurch das Aufrechterhalten einer wirtschaftlichen Produktion zunehmend erschwert wird.

Als Antwort darauf dient die Industrielle Biotechnologie. Sie ist ein wichtiges Element für eine nachhaltige, zukunftsverträgliche Chemie, welche auch mit dem Überbegriff „Green Economy“ beschrieben wird. Ziel ist dabei, mit innovativen Produkten und Verfahren die Wirtschaft zu stärken, die Lebensqualität zu erhöhen und die Natur zu schonen.

Daten & Fakten

Umsatz biotechnologisch erzeugter Produkte:

  • Der weltweite Umsatz an Produkten der Industriellen Biotechnologie belief sich im Jahr 2010 auf 125 Milliarden Euro, was einem Anteil von zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Chemischen Industrie entspricht. [1]
  • In Deutschland betrug der Umsatz an Produkten der Industriellen Biotechnologie 143 Millionen Euro im Jahr 2010 und stieg 2011 auf 177,5 Millionen Euro an. Zum Vergleich: Die gesamte Biotechnologie-Branche (inkl. „Roter“ Biotechnologie) erwirtschaftete in Deutschland 2010 einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro und 2011 2,6 Milliarden Euro. [2]

Obwohl Produkte der Industriellen Biotechnologie in Deutschland noch einen geringen Anteil (sieben Prozent) am Gesamtumsatz der Biotechnologie-Branche halten, stiegen die Umsätze von 2010 auf 2011 um 24 Prozent an. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass vor allem Großindustrien oft keine gesonderten Angaben zu den Umsätzen biotechnologisch erzeugter Produkte ausweisen können. Doch eben diese Umsätze, beispielsweise aus Herstellung und Verkauf von Waschmittelenzymen, Säuren oder Vitaminen, resultieren hohe Summen, die den oben genannten Angaben noch hinzuzurechnen sind.

So sollen auch Schätzungen zufolge für das Jahr 2017 allein in der EU 340 Milliarden Euro mit biobasierten Produkten der Chemischen Industrie umgesetzt werden, was 15,4 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche entspricht. [3]

Investitionen in Forschung und Entwicklung/Finanzierung:

  • Die deutsche Wirtschaft verstärkte ihre Investitionen in Forschung & Entwicklung (F&E) von 33,4 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 46,9 Milliarden Euro in 2010. Neueste Daten zeigen eine weitere Steigerung für das Jahr 2011 auf rund 50,3 Milliarden Euro. (Daten für 2012 noch nicht verfügbar) [4]
  • Davon wurde von den Unternehmen in 2010 insgesamt eine Milliarde Euro im Biotechnologie-Bereich (inkl. Sektor Gesundheit/Medizin, „Rote“ Biotechnologie) investiert. 2011 sind diese Investitionen auf 975 Millionen Euro gesunken und in 2012 ein weiteres Mal auf 934 Millionen Euro. [5]
  • Die F&E-Investitionen der deutschen Wirtschaft im Bereich der Industriellen Biotechnologie beliefen sich im Jahr 2010 auf 59 Millionen Euro. Auch hier war für 2011 ein massiver Rückgang auf 46 Millionen Euro zu verzeichnen. In 2012 sind die F&E-Aufwendungen wieder leicht - auf 47 Millionen Euro - gestiegen. [5]
  • Beim Thema Finanzierung zeigte sich in der Biotechnologie-Branche ein erfreulicher Wandel: Nachdem 2011 ein sehr schwieriges Finanzierungs-Jahr mit nur 187 Millionen Euro (niedrigster Wert innerhalb von sechs Jahren) an investierten Geldern war, verdoppelte sich diese Summe in 2012 nahezu auf 347 Millionen Euro. [5]

Obwohl im Jahr 2011 die F&E-Investitionen der gesamt-deutschen Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr sogar noch gestiegen sind, verzeichnete die Biotechnologie-Branche im selben Zeitraum einen Rückgang von 2,5 Prozent. (Zugelegt haben vor allem der Kraftfahrzeugbau, der Maschinenbau und die Elektrotechnik.) Allgemein befinden sich die F&E-Investitionen in der Biotechnologie-Branche im Vergleich zu den gesamten unternehmerischen F&E-Investitionen auf dem sehr niedrigen Niveau von zwei Prozent, in der Industriellen Biotechnologie (als Teilbereich der Biotechnologie) sogar nur bei 0,1 Prozent der Gesamtinvestitionen.

Mögliche Gründe für die geringe Investitionsbereitschaft der Unternehmen in die Erforschung und Entwicklung biotechnologischer Prozesse und Produkte – ganz im Kontrast zum Umsatzwachstum im zweistelligen Bereich – finden Sie unter der Rubrik „Industrielle Biotechnologie und Politik“.

Weiterführende Informationen

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Quellennachweis:

[1] Kutter, Susanne: Der Bioingenieur. In: WirtschaftsWoche 22, (30. Mai 2011), S. 86-89. URL: http://www.mig-fonds.de/uploads/media/WiWo_22_30052011.pdf (Abruf: 2013-08-27)
[2] biotechnologie.de: Die deutsche Biotechnologie-Branche 2012. biotechnologie.de, BIOCOM AG (Hrsg.), Berlin 2012, S. 16-17. URL: http://www.biotechnologie.de/BIO/Redaktion/PDF/de/umfrage/2012-umfrage (Abruf: 2013-08-27)
[3] Ernst & Young, EuropaBio: What Europe has to offer biotechnology companies - Unraveling the tax, financial and regulatory framework. April 2012, S. 17. URL: http://www.europabio.org/sites/default/files/europabio_-_ernst_young_report___what_europe_has_to_offer_biotechnology _companies.pdf
[4] Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft: Statistik & Analysen. URL: http://www.stifterverband.info/statistik_und_analysen/index.html (Abruf: 2013-08-27)
[5] biotechnologie.de: Die deutsche Biotechnologie-Branche 2013. biotechnologie.de, BIOCOM AG (Hrsg.), Berlin 2013, S. 17-19. URL: http://www.biotechnologie.de/BIO/Redaktion/PDF/de/umfrage/2013-umfrage.pdf (Abruf: 2013-08-27)