Warum Wertstoffe aus Abfall gewinnen?

Ressourcenschwund und Klimabelastung

Erst seit circa 100-150 Jahren wird hauptsächlich Erdöl zur Versorgung der Welt sowohl mit Energie als auch mit chemischen Produkten verwendet. Doch haben Erdölprodukte bereits in dieser relativ kurzen Zeitspanne einen fragwürdigen Siegeszug angetreten. Heute gibt es keinen Haushalt, keinen Arbeitsplatz und keine Freizeitbetätigung, wo nicht Produkte oder Engerie auf Erdölbasis zum Einsatz kämen.

Auch wenn eine Vorhersage, wann das Erdölfördermaximum erreicht sein wird, noch nicht zuverlässig möglich ist, so steht doch außer Frage, dass Erdöl eine endliche, in für Menschen relevanten Zeiträumen nicht erneuerbare, Ressource darstellt. Darüber hinaus entsteht bei der Verbrennung von Erdöl oder Erdölprodukten CO2, welches sich in der Atmosphäre anreichert und die Umwelt in seiner Wirkung als Treibhausgas belastet [1].

Das Potential im Abfall

Wenn ein Wechsel zu einer stärker biobasierten Industriegesellschaft erfolgen soll, ist jedoch eine der ersten Fragen, ob überhaupt so viel Biomasse bzw. Reststoffe zur Verfügung stehen, dass deren industrielle Nutzung unter ökonomischen Gesichtspunkten in Betracht gezogen werden kann.

Allein in Deutschland fallen jährlich weitaus mehr als 30 Millionen Tonnen potentiell verfügbare Reststoffe, wie z. B. Altholz, Säge- und Mühlennebenprodukte, Rinden- und Korkabfälle, Olivenblätter, Zuckerrüben- und Kartoffelerntereste, Rapsstroh, Papierschlämme etc. an [2]. In vielen Fällen geht ein Teil der Rest-Biomasse sinnvollerweise in die Düngung, in die Kompostierung oder in den Betrieb von Biogasanlagen. Diese Biomasse steht dann anderen Verwertungswegen nicht mehr zur Verfügung. Andererseits gibt es jedoch auch den Fall, dass Rest- und Abfallstoffe zum Teil sogar mit hohem Aufwand und entsprechenden Kosten entsorgt werden müssen.

Dennoch, oder eben deshalb, könnten diese und weitere Reststoffströme wenigstens teilweise auch für die stoffliche Verwertung genutzt werden. Aus den Reststoffen der Säge- und Papierindustrie oder aus Mühlennebenprodukten könnten beispielsweise Basischemikalien gewonnen werden, während Rinden- und Korkabfälle bzw. Olivenblätter sich für die Extraktion von Spezialchemikalien anbieten.

Waste2Value - vom Reststoff zum Wertstoff

Die Produktion von Basischemikalien aus Rest- und Abfallstoffen reduziert die Abhängigkeit von Erdöl und hat generell positive Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Durch die Nutzung von Rest-Biomasse für Spezialchemikalien wird ebenfalls der Erdölverbrauch vermindert und die Umwelt geschont. Fast wichtiger ist aber der Aspekt, dass hier zudem auch neue Produkte entstehen können, die nicht nur die erdölbasierten Chemikalien ersetzen, sondern auch deren technische Eigenschaften übertreffen können.


Quellennachweis:

[1] Bildungsserver: Kohlendioxid. http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Kohlendioxid
[2] Knappe, F., Böß, A., Fehrenbach, H., Giegrich, J., Vogt, R., Dehoust, G. Schüler, D., Wiegmann, K., Fritsche, U.: Stoffstrommanagement von Biomasseabfällen mit dem Ziel der Optimierung der Verwertung organischer Abfälle. Forschungsbericht 205 33 313, Umweltbundesamt Dessau. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3135.pdf